Erstmalige Erwähnung im Protokoll des Grenzgangs 1963

In den Protokollen der Männergesellschaft Hain-Strasse. findet unsere Truhe das erste Mal im Protokoll der Abschlussversammlung des Grenzgangs 1963 Erwähnung, die am 29. Februar 1964 im Hotel Gercke stattfand.

Es hatte sich der Wunsch ergeben, für die wichtigen Utensilien der Gesellschaft einen angemessenen, einheitlichen Aufbewahrungsort zu haben. Der gelernte Schreiner und Bürger der Hain-Strasse., Bürger Heini Bernhardt, fertigte daher im Jahre 1963 diese Truhe an, die uns seither ausgezeichnete Dienste leistet.

Schon in der Gründungsversammlung zum Grenzgang 1970 war die Truhe dann allerdings nicht anwesend; die Gründe sind aber nicht protokolliert. Daher erfolgte die feierliche Eröffnung der Truhe erst in der zweiten Versammlung. In der Abschlussversammlung des 70er-Grenzgangs wurde dem Bürger Bernhardt dann mit einer Flasche Weinbrand für seine Arbeit gedankt. Damit war das gute Stück dann doch recht preiswert.

Wie wichtig und hilfreich diese Truhe ist, zeigt das Verzeichnis der Gegenstände, die bei der Abschlussversammlung in die Truhe gegeben wurden:

  • die Fahne, die Schärpen und 7 Säbel,
  • der hohle Grenzstein der Damen,
  • der Grenzstein der Männer,
  • das Groggelchen „ohne Füllung“,
  • ein Schild der Hain-Strasse.,
  • 22 Akten des Rechners,
  • 1 Aktenmappe mit den Unterlagen des Schriftführers und den Zeitungsausschnitten von 2 Grenzgängen,
  • die Abzeichen 1963 und 1970,
  • ein Grenzgangsgedicht aus dem Jahre 1890,
  • die beiden Flaschen Schnaps,
  • 1 Schachtel Zigaretten aus 1963,
  • 1 Schachtel Zigaretten Lord von 1970,
  • 1 Krawatte mit den Namen des ersten Gebläses einer Versammlung aus 1963.

Die ganze Zeremonie wurde von einem Filmteam, bestehend aus den Bürgern Einolf, Weidemann und Mälzner, auf Zelluloid gebannt.

Als Aufbewahrungsort für die Truhe zwischen den Grenzgängen wird das Grenzgangszimmer im Schloss bestimmt. Der Transport dorthin soll mit dem Kuhgespann des Bürgers Bastert erfolgen, wobei der Bürger Haydn anregt, wegen der immensen Steigungen solle die Kuh mit Spikes ausgerüstet werden. Als die Kuh das hörte, hat sie sich erst mal auf den Arsch gesetzt und sich dann geweigert. So musste auf das Gespann verzichtet werden und der Transport erfolgte auf einem „Kärrche“ des Bürgers Ernst Cyriax. Das Ganze war ein gewaltiges Event. Der Umzug erfolgte durch die ganze Stadt – voran der Spielmannszug, dann die Truhe und dahinter eine große Anzahl Bürgerinnen und Bürger. Auf dem Schloss floss dann Freibier in Strömen und der Spielmannszug heizte die Stimmung gewaltig an.

Im Grenzgangsjahr 1977 musste der Aufbewahrungsort der Truhe wegen der Renovierung des Grenzgangszimmers im Schloss neu festgelegt werden. Aus verschiedenen Vorschlägen wurde das Gebäude der Baugenossenschaft in der Hain-Strasse. ausgewählt. Der Bürger Karl Weis, der im gleichen Haus wohnte, wurde praktischerweise zum ersten Truhenwart ernannt.

Dieser Standort blieb aber eine einmalige Episode, seitdem wird die Truhe wieder im Schloss aufbewahrt. Nach dem Grenzgang 1984 wurde die Idee mit dem Kuhgespann als Transportmittel wieder aufgegriffen, aber die Ära der Kuhgespanne war schon lange vorbei und so erfolgte der Transport mit „Lichtenthälers Kreppelbus“.

Nach dem Grenzgang 1998 übernimmt der Bürger Stefan Weis das Amt des Truhenwartes von seinem Vater Karl und begleitet es als Multifunktionswart bis zum Grenzgang 2026, in dem er seinen Rücktritt aus Altersgründen bekannt gibt. Sein Nachfolger wird der Bürger Walter Bönsch, der anscheinend etwas rüstiger ist als der Bürger Weis, obwohl er doch einige Jahre älter ist.

Im Jahre 2006 gab es wieder einen „öffentlichen“ Truhentransport. Vom Büro des 1. Führers Mauer aus gaben ca. 20 Bürgerinnen und Bürger der Truhe das Geleit zum Schloss. Das Geschehen wurde vom Bürger Wilke auf Video festgehalten. Als seinerzeit dieses Video in einer Versammlung vorgeführt wurde und man sah, wie die Bürger die Truhe die Treppe hochwuchteten, rief einer der Bürger: „In der Truhe liegt der Kraft!“ War natürlich Unsinn, der saß putzmunter neben mir.

Aus den Grenzgängen 2012 und 2019 sind keine ungewöhnlichen Transportereignisse überliefert, aber vielleicht ergibt sich ja nach dem Grenzgang 2026 mal wieder die Gelegenheit zu einem kleinen Event.

Seit die Truhe 1963 den Weg zur Hain-Strasse. fand, gab es einige Irritationen im Zusammenhang mit ihrer Bezeichnung. Sie musste sich als Kiste, sogar als Sarg und ihr Inhalt sich als Kram bezeichnen lassen. Wenn der jeweilige Führer das mitbekam, rügte er diese Wortwahl in der Regel und verhängte einige Liter Strafe.

Eberhard Deuschle, Juni 2026